Lehrer sein bedeutet heute nicht mehr nur, im Klassenzimmer zu unterrichten. Es bedeutet auch, über viele verschiedene Kanäle erreichbar zu sein. E-Mail, SchoolFox, Microsoft Teams, Untis, vielleicht ein Fach im Lehrerzimmer – die Liste ist lang.
Gleichzeitig gibt es viele verschiedene Personen, die mit uns kommunizieren möchten:
- Schüler, die Fragen zum Unterricht haben
- Eltern, die über ihre Kinder sprechen möchten
- Kollegen, die sich über Organisatorisches austauschen wollen
- die Schulleitung, die Informationen weitergibt
Das alles über verschiedene Plattformen zu koordinieren, ist anstrengend. Noch anstrengender wird es, wenn man ständig erreichbar sein soll.
In diesem Beitrag möchte ich meine persönliche Philosophie zum Thema Erreichbarkeit im Schuldienst teilen.
Das Problem: Zu viele Plattformen, zu viele Erwartungen
Im Schulalltag wird mittlerweile über viele verschiedene Kanäle kommuniziert.
Typische Beispiele sind:
- E-Mail – für offizielle Kommunikation, Elternkontakt, Kollegenaustausch
- SchoolFox – für Mitteilungen an Eltern und Schüler
- Microsoft Teams – für Unterrichtsmaterialien, Chat, Videounterricht
- Untis – für Vertretungspläne und Stundenplanänderungen
- Fächer im Lehrerzimmer – für Papier-Dokumente und Mitteilungen
Hinzu kommen manchmal noch WhatsApp-Gruppen, SMS oder Anrufe.
Das führt zu mehreren Problemen:
- Man verliert den Überblick, welche Information wo liegt.
- Man fühlt sich ständig verpflichtet, alle Kanäle zu checken.
- Man ist nie wirklich im Feierabend, weil theoretisch jederzeit eine Nachricht kommen könnte.
Gerade die Erwartung, dass Nachrichten schnell beantwortet werden, kann sehr belastend sein.
Meine Philosophie: Schreiben ja, sofort antworten nein
Meine Grundhaltung lässt sich so zusammenfassen:
Jeder kann schreiben, wann er will. Aber niemand kann erwarten, dass eine Nachricht sofort beantwortet wird.
Konkret bedeutet das:
- Ich achte nicht darauf, wann ich eine E-Mail verschicke. Das kann um 16 Uhr sein, um 19 Uhr oder auch um 21 Uhr.
- Ich erwarte aber nicht, dass jemand außerhalb der Arbeitszeit antwortet.
- Ich erwarte auch nicht, dass jemand meine Nachricht sofort liest.
Das Ziel ist: Jeder arbeitet dann, wann es für ihn passt – aber niemand soll sich unter Druck gesetzt fühlen. Lehrer und auch Schüler haben irgendwann ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit!
Feierabend muss sein – für Schüler und Lehrer
Gerade im Schuldienst ist es wichtig, klare Grenzen zu ziehen.
Meine Überzeugung:
-
Schüler sollten ab etwa 16 Uhr Feierabend haben.
Sie sollen ihre Hausaufgaben machen, lernen können – aber nicht bis abends auf Rückmeldungen von Lehrern warten müssen. -
Lehrer sollten ab etwa 17 Uhr Feierabend haben.
Auch wir brauchen Zeit für Familie, Hobbys und Erholung.
Das bedeutet nicht, dass man nicht auch mal später arbeiten darf. Aber es sollte keine Erwartung sein, dass man ständig erreichbar ist.
Die Lösung: Feste Bürozeiten für Kommunikation
Damit das funktioniert, braucht es klare Strukturen.
Mein Vorschlag:
Lege dir feste Bürozeiten fest, in denen du Nachrichten checkst und beantwortest.
Das könnte zum Beispiel so aussehen:
- Morgens von 7:30 bis 8:00 Uhr – E-Mails und Nachrichten checken
- Mittags von 12:30 bis 13:00 Uhr – Kurze Rückmeldungen geben
- Nachmittags von 15:00 bis 16:00 Uhr – Ausführlichere E-Mails beantworten
Außerhalb dieser Zeiten bist du nicht erreichbar.
Das hat mehrere Vorteile:
- Du hast feste Zeiten, in denen du dich um Kommunikation kümmerst.
- Du kannst dich in anderen Zeiten vollständig auf andere Aufgaben konzentrieren.
- Andere wissen, dass sie nicht sofort eine Antwort erwarten können – und das ist okay.
Keine Apps auf dem Handy – oder zumindest ohne Benachrichtigungen
Ein wichtiger Punkt, um diese Bürozeiten einzuhalten:
Installiere keine Kommunikations-Apps auf deinem Handy – oder deaktiviere zumindest die Benachrichtigungen.
Das betrifft zum Beispiel:
- Microsoft Teams
- SchoolFox
- E-Mail-Apps
- WhatsApp-Gruppen für die Schule
Warum ist das wichtig?
Weil jede Benachrichtigung dich aus dem unterbricht, was du gerade tust. Selbst wenn du nicht sofort antwortest, lenkt dich die Nachricht ab. Du denkst darüber nach, was darin stehen könnte. Du fühlst dich unter Druck, bald zu antworten.
Das ist das Gegenteil von Feierabend.
Wenn du die Apps nicht auf dem Handy hast, kannst du Nachrichten nur dann checken, wenn du dich bewusst dafür entscheidest – zum Beispiel während deiner Bürozeiten am Computer.
Deep Work: Zeiten ohne Unterbrechungen
Neben den festen Kommunikationszeiten ist es wichtig, auch Zeiten für konzentriertes Arbeiten einzuplanen.
Das nennt sich oft Deep Work – also Arbeitsphasen, in denen man sich vollständig auf eine Aufgabe konzentriert, ohne Unterbrechungen.
Beispiele für solche Aufgaben:
- Unterrichtsvorbereitungen
- Korrektur von Klausuren
- Erstellung von Materialien
- Planung von Projekten
In diesen Phasen sollten keine Nachrichten gecheckt werden.
Das bedeutet:
- E-Mail-Programm geschlossen
- Handy auf lautlos oder in einem anderen Raum
- Teams, SchoolFox etc. nicht geöffnet
- Tür zu, wenn möglich
Nur so kann man wirklich produktiv arbeiten.
Studien zeigen, dass Unterbrechungen die Effizienz massiv senken. Nach jeder Ablenkung braucht das Gehirn mehrere Minuten, um wieder in den Fokus zu kommen.
Wer ständig Nachrichten checkt, arbeitet deutlich langsamer – und ist am Ende trotzdem erschöpft.
Kommunikation ist wichtig – aber nicht rund um die Uhr
Natürlich ist Kommunikation im Schuldienst wichtig.
Eltern müssen informiert werden. Schüler brauchen Rückmeldungen. Kollegen müssen sich absprechen.
Aber:
Kommunikation muss nicht sofort passieren.
Die meisten Nachrichten sind nicht dringend. Eine E-Mail, die um 18 Uhr kommt, kann auch am nächsten Morgen beantwortet werden.
Wirklich dringende Fälle – zum Beispiel ein Notfall – werden in der Regel telefonisch geklärt. Dafür braucht es keinen Chat oder keine E-Mail.
Was bringt das allen Beteiligten?
Diese Herangehensweise hat mehrere Vorteile:
Für Lehrer:
- Mehr Ruhe im Feierabend
- Weniger Stress durch ständige Erreichbarkeit
- Mehr Zeit für konzentriertes Arbeiten
- Bessere Work-Life-Balance
Für Schüler:
- Klare Erwartungen, wann sie eine Antwort bekommen
- Weniger Druck, ständig online zu sein
- Mehr Selbstständigkeit, weil sie lernen, auch ohne sofortige Rückmeldung weiterzuarbeiten
- Ein klarer digitaler Feierabend, an dem Schule nicht mehr als Begründung für permanente Gerätenutzung dient
Für Eltern:
- Klare Kommunikationsstrukturen
- Verlässlichkeit, wann sie eine Antwort erwarten können
- Respekt für die Arbeitszeiten der Lehrer
- Mehr Klarheit im Familienalltag: Eltern können iPads, Handys oder andere digitale Endgeräte der Kinder ab einer gewissen Uhrzeit weglegen oder wegsperren
- Weniger Diskussionen zu Hause, weil das Kind nicht mehr argumentieren kann, dass es bis spät nachts ein Handy oder iPad benötigt, „um für die Schule zu arbeiten“ oder „für die Schule erreichbar zu sein“
Für Kollegen und Schulleitung:
- Bessere Planbarkeit von Abstimmungen
- Weniger Missverständnisse durch übereilte Antworten
- Mehr Effizienz durch gesammelte Kommunikation
Wie setzt man das um?
Natürlich ist es nicht immer einfach, diese Prinzipien konsequent umzusetzen. Gerade am Anfang kann es Widerstand geben – von außen oder auch von einem selbst.
Ein paar Tipps für den Start:
1. Kommuniziere deine Bürozeiten
Schreibe in deine E-Mail-Signatur, wann du Nachrichten bearbeitest.
Beispiel:
Ich beantworte E-Mails montags bis freitags zwischen 7:30 und 16:00 Uhr.
Außerhalb dieser Zeiten können Nachrichten verzögert beantwortet werden.
So wissen alle Bescheid und können ihre Erwartungen anpassen.
2. Deaktiviere Benachrichtigungen konsequent
Gehe in die Einstellungen deines Handys und deaktiviere Benachrichtigungen für alle schulbezogenen Apps.
Wenn du die Apps trotzdem auf dem Handy haben möchtest, stelle sie zumindest auf „stumm“.
3. Plane feste Zeiten für E-Mails ein
Blocke dir im Kalender feste Zeiten für die Bearbeitung von Nachrichten.
Behandle diese Zeiten wie Termine – sie sind genauso wichtig wie eine Unterrichtsstunde.
4. Nutze automatische Antworten
Wenn du länger nicht erreichbar bist – zum Beispiel am Wochenende oder in den Ferien – stelle eine Abwesenheitsnotiz ein.
Beispiel:
Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Ich bin vom [Datum] bis [Datum] nicht im Büro und beantworte E-Mails erst wieder ab [Datum].
In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an [Kontakt].
5. Halte dich selbst daran
Der schwierigste Teil ist oft, die eigenen Regeln einzuhalten.
Es ist verlockend, „nur kurz“ zu schauen, ob eine wichtige Nachricht gekommen ist.
Aber genau das untergräbt das ganze System.
Wenn du deine Bürozeiten ernst nimmst, werden es auch andere tun.
Fazit
Ständige Erreichbarkeit ist im Schuldienst weder nötig noch gesund.
Meine Philosophie lautet:
Jeder kann schreiben, wann er will – aber niemand muss sofort antworten.
Mit klaren Bürozeiten, deaktivierten Benachrichtigungen und bewussten Deep-Work-Phasen lässt sich ein deutlich entspannterer und gleichzeitig effizienterer Arbeitsalltag schaffen.
Das hilft nicht nur uns Lehrern, sondern auch den Schülern, Eltern und Kollegen.
Denn am Ende profitieren alle davon, wenn Kommunikation strukturiert, verlässlich und respektvoll stattfindet – statt hektisch, spontan und rund um die Uhr.